Startseite
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 


http://myblog.de/aurora.borealis

Gratis bloggen bei
myblog.de





Schwer, sehr schwer.

Mein Auftreten dürfte jeden Ritter beeindrucken. Ich trage eine Rüstung, Pech schwarz. Jedes Scharnier ist dreifach gesichert, jede Kante meiner Rüstung mit Spitzen und scharfen Kanten versehen. Mein Gesicht unter einem schweren Helm versteckt, durch das Gitter vor den Augen sehe ich die Welt klar umrissen, während niemand meine Augenfarbe erraten kann. Ein Visier schützt vor splittern und der flammende Federbusch auf meinem Helm sieht beim reiten aus wie ein Flammenkranz, der meinen Kopf umrahmt.

In der einen Hand halte ich einen schwarzen Schild, groß und schwer, der mich vor Schwerthieben schützt. In meiner anderen Hand eine Lanze, mit der ich meine Feinde auf Distanz halte. Und ich bin geschickt im Umgang damit... Wenn mir doch einmal jemand zu nahe kommen sollte, so habe ich an meinem Gürtel ein Schwert, seine Scheide ist blutverschmiert und ein jeder, der mich sieht, erkennt auch die rote Spur getrockneten Blutes an meiner Rüstung. Es ist verrückt. Niemand kommt mir zu nahe. Überall wo ich auftauche sorgt meine Erscheinung für Respekt und Abstand. Mein Pferd bringt mich schnell weg, wenn es mir zu gefährlich wird...

Ich fürchte mich vor mir selbst... Dieser schreckliche Panzer ist nur ein Sinnbild für mein Seelenzustand. Denn so praktisch ist diese Rüstung nicht. Die Platten auf der Brust wiegen schwer und machen das Atmen zu einer Qual. Wenn ich weine, sieht niemand meine Tränen durch das schmale Visier. Die Wunden unter dem Panzer heilen schlecht und ich bin viel zu schwach, um dieses Gewicht noch weiter zu tragen. Falle ich vom meinem hohen Ross, so muss ich mir alleine aufhelfen. Alle die mir zu nahe kommen, schneiden sich an den scharfen Ecken, die ich mir zugelegt habe. Das Schwert schreckt Reisende ab, die sich mit mir unterhalten wollen und so reise ich alleine durch die Lande.

Ich denke, das Bild trifft es perfekt. In der letzten Zeit benehme ich mich zusehends wie ein Arschloch. Ich versuche mich immer wieder gegenüber anderen zu beweisen, ohne zu wissen, warum. Ich verletze Menschen, die mir Gutes tun wollen, sie versuchen mir aufzuhelfen, doch mit ungestümen Bewegungen verletze ich sie. Ich lasse niemanden an mich heran und das macht einsam.

Ich warte auf jemanden, der mir hilft diese schwere Rüstung abzunehmen. Doch diese Angst, verletzt zu werden ist einfach so groß. Es war jemand, der mir sehr nahe stand, der mir diesen Todesstoß versetzt hat. Jemand, den ich immer für einen treuen Begleiter gehalten habe, jemand, dem ich bedingungslos vertraut habe, hat mir den Stich in den Rücken verpasst. In einem Moment, als ich nicht damit rechnete. Seine Waffen hießen Lüge, Betrug und Verrat. Lange habe ich schwach am Boden gelegen. Die Rüstung, die ich mir zugelegt habe stützt mich wie ein Skelett. Auch wenn ich im Inneren durchhänge, so sieht niemand meine Schwäche.


Ich glaube, dass ich immer wieder Menschen enttäusche ist das Schmerzlichste für mich. Ich weiß nicht warum ich das tue, nur dass sich viele nicht lange mit mir abgeben. Dabei ist das, was ich im Moment bin, nicht ich. Ich bin kein schlechter Mensch, aber ich benehme mich wie einer. Dabei ist alles was ich will, einfach mal weinen...

6.11.06 18:40


Wer das hier liest...

...ist nicht doof. Aber er wird wahrscheinlich glauben, dass ich schwer Selbstmordgefährdet bin. Ziemlich krass, was einem so durch den Kopf schießen kann. Ich kann euch versichern, das Leben würde ich mir nie freiwillig nehmen. Dazu liebe ich es zu sehr und lache auch eigentlich viel zu gerne... Nur heute war eben nicht der Tag  dazu. Ich habe mal geschrieben, dass ich alles erleben möchte. Denn wer keine schlechten Dinge erlebt, kann auch die positiven Seiten nicht genießen.

Ich kann nur hoffen, dass es bald wieder aufwärts geht. Nun denn, neues Spiel, neues Glück.

 Ich bin ja mal gespannt...

 P.S: Ich freue mich auch über Einträge im Gästebuch!

6.11.06 21:17


Nach dem Regen...

Das war gestern vielleicht ein Tag. Nach diesem mehr als bedrückenden Text war der Tag nichtmehr zu gebrauchen. Ein Bier hat mich umgehauen (nicht falsch verstehen, ich war nicht betrunken...), mein Magen hat rebelliert (aber ich habe gewonnen) und ich habe richtig schlecht geschlafen.

Und heute? Nichts. Ich fühle mich fit. Mir geht es richtig gut und ich habe blendende Laune. War das gestern der Tiefpunkt, bevor die Achterbahn wieder aufwärts fährt? Keine Ahnung. Ich hoffe es. Irgendwie fühle ich mich heute leichter. Wahrscheinlich ist es einfach so, dass man manche Probleme einfach aufschreiben muss, damit sie rauskommen.


Seit heute läuft das Experiment: Kein Tabak für mich. Ich rauche recht „gerne“ wenn man das in dem Zusammenhang so sagen kann. Allerdings fühle ich mich damit nicht sehr wohl. Also mußte gestern Abend der ganze Tabak von mir verschwinden...


Drückt mir die Daumen, dass ich es auch durchhalte.


A.B.

7.11.06 14:17


Wer lebt oder stirbt

„Ich entscheide, wer lebt oder stirbt!“ Bei den X-Files ist das der Satz, zu dem der psychisch gestörte Mörder auf den Kirchturm steigt und sein Gewehr auspackt, um unschuldige Leute der Reihe nach umzunieten. Ein Arzt muss sich diese Frage täglich stellen. Ich war am Wochenende bei einem Seminar, das eben dieses Thema behandelt hat.

Folgender Fall: Ein Krebsmedikament verspricht den Kranken das Leben zu verlängern. Allerdings ist es noch nicht für den deutschen Markt zugelassen und soll erst in einer Studie geprüft werden. Der Arzt bekommt zehn Plätze. Schnell wird aber klar, dass er mehr Patienten hat, die das Medikament brauchen würden, er aber nicht allen Leuten einen Platz geben kann. Das Medikament aus den USA importieren kann er auch nicht. Warum ist nicht klar, fest steht nur, dass der Pharmakonzern sich weigert, das Präparat zu verschicken. Das Medikament wirkt so, dass die Krebserkrankung gestoppt werden kann und den Patienten so das Leben verlängern kann. Je nach Mensch bis zu drei Jahre lang. Weitere Tests sind noch nicht gemacht worden, also weiß auch niemand, ob das Medikament nicht sogar die Erkrankung auf lange Zeit in Schach halten kann. Um in die Studie zu kommen, müssen die Menschen aber besondere Vorrausetzungen erfüllen: Sie müssen bereits alle vorhandenen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft haben. Und sie müssen sich bewußt sein, dass es nur ein Test ist, also kann ihnen niemand garantieren, dass sie länger leben, wenn sie das Medikament bekommen... Soweit das Dilemma. Der Arzt muss jetzt entscheiden, wen er in die Studie aufnimmt, ohne die Patienten einem unwürdigen Druck auszusetzen.

Das war auch das Problem der Studentinnen und Studenten, die bei dem Seminar dabei waren. Wir sollten besprechen, wie wir diese Auswahl treffen würden. Juristen, Mediziner, Philosophen und Theologen waren da. Vom ersten bis zum siebten Semester machten sich alle Gedanken, wie man nun möglichst moralisch handelt. Sollte man die vorhandenen Plätze auslosen? Sehen, wer am zuverlässigsten ist und Patienten, die so eine Testbehandlung schon einmal abgebrochen haben aus der Behandlung ausschließen?

Es war unglaublich, welch absurde Ideen zu tage kamen: Ein Computer solle aufgrund von Medizinischen Daten auswählen/auslosen, wer mitmachen darf (meinte ein Student). Eine Pphilosophiestudentin war ganz anderer Meinung: Wenn es nach ihr ginge, solle man den Menschen Alternativen aufführen und ihnen klar machen „[...]das sie ohnehin sterben. Die drei Monate sind vielleicht nicht die schönsten ihres Lebens. Und vielleicht sind diese Menschen in einem Hospitz besser aufgehoben!“

Ich war schockiert: wer soll sich hinstellen und den Leuten sagen: Hey, ihr verreckt doch ohnehin! Geht lieber ins Hospitz, wo ihr in Ruhe sterben könnt! Unglaublich...!

Es gab ein langes hin und her, Philosophen waren mit ihrem Latein am Ende, die Theologen wußten weder ein noch aus. Die Juristen argumentierten nüchtern und kühl, stets bedacht, niemandem zu viel Verantwortung aufzuhalsen und die Mediziner waren ratlos. Beschämend für mich ist ein fakt besonders: Jeder, wirklich jeder! Hat sich mit den gegebenen Tatsachen abgefunden. Wenn es nur zehn Plätze, aber 20 potentielle Teilnehmer sind, dann ist es eben so. Wenn man das Medikament nicht aus den USA kommen lassen kann, dann muss auch das so sein. Also haben wir auf dieser Ansicht argumentiert und gerätselt, wie man das alles am besten hinbekomme...

Nun die Lösung: Der Arzt, der für die Studie zuständig war, war der einzige der moralisch und ethisch korrekt gehandelt hat! Er hat sich nicht damit abgefunden, dass es nur zehn Plätze in der Studie sein können, hätte er doch mindestens 20 Plätze gebraucht. Und auch für die Patienten, die das Medikament gebraucht haben, hat er eine Lösung gefunden. Er hat dem Pharmakonzern einfach gedroht, die Presse einzuschalten wenn das Medikament ohne Begründung nicht geliefert werden kann. Und siehe da: es hat geklappt! Ein großteil der Patienten, die mit ihrer Krebserkrankung eigentlich schon gestorben wären, leben noch. Einigen geht es so gut, dass sie ein normales Leben führen. Es hat mir Angst gemacht, wie wenig Mut alle diese Studenten aufgebracht haben. Keiner kam auf die Idee, einfach Stress zu machen. Das Gegebene nicht zu akzeptieren und die Zustände zu ändern. Wirklich niemand.

Das gab mir sehr zu denken. Denn, was wenn ich eines Tages in so eine Studie will und der Arzt sich einfach den Gegebenheiten anpasst, anstelle alles zu versuchen, was möglich wäre um Leben zu retten. Klar, er muss entscheiden, wer lebt oder stirbt. Das gehört zu seinem Beruf. Aber das der Arzt aus „meinem“ Fall das nicht getan hat, macht mir Mut! Ich bewundere diesen Menschen, der sich wirklich für andere einsetzt! Ein Vorbild im Leben...

27.11.06 17:28





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung